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"Man muss mit dem Text alleine bleiben"

Interview mit Dieter Wellershoff

Dieter Wellershoff zu Hause vor seiner Bücherwand

Interview: Anette Koppelberg, Foto: Stephan Heller

Dieter Wellershoff wurde 1925 in Neuss geboren. Bereits 1952 machte er mit seiner hochgelobten Promotionsarbeit über Gottfried Benn auf sich aufmerksam. Er arbeitete mehrere Jahre im Lektorat des Verlages Kiepenheuer & Witsch, wo er unter anderem mit Heinrich Böll zusammenarbeitete. Er initiierte in den 60er Jahren die "Kölner Schule" und war Mitglied der Gruppe 47. Über 35 Werke veröffentlichte Dieter Wellershoff bis heute und bekam zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen. Zuletzt 2007 den Großen Kulturpreis der Sparkassen- Kulturstiftung Rheinland für sein literarisches Gesamtwerk. Im August 2009 erschien zuletzt sein Roman "Der Himmel ist kein Ort" bei Kiepenheuer & Witsch.

TextArt: Wie geht es Ihnen, wenn Sie einen Roman abgeschlossen haben? Brauchen Sie erst eine längere Schreibpause, um sich von dem aktuellen Roman zu verabschieden oder sind sofort neue Ideen für ein neues Werk da?

Dieter Wellershoff: Im Augenblick habe ich keine neuen Ideen für ein neues Werk. Beziehungsweise auch nicht die Vorstellung, dass ich in näherer Zeit etwas neues schreiben werde. Ich bin aber auch schon 83 Jahre alt. Erst mal steht mir jetzt eine Lesereise bevor. Ein neues Buch auf den Markt gebracht zu haben ist eine Hauptbeschäftigung.

TextArt: Wie ist das, wenn Sie auf Lesereise gehen? Lesen Sie gerne?

Dieter Wellershoff: Zunächst mal denke ich : "Jetzt muss ich da hinfahren." Aber fast immer, wenn ich in der Situation bin, bin ich dann völlig engagiert und fasziniert von der Situation. Jedes Lesen ist ein Neuentdecken des Textes. Eigentlich lebt der Text dadurch, dass er gelesen wird. Der Text wird, indem er gelesen wird, noch einmal neu gestaltet von mir.

TextArt: Schreiben Sie erst mit der Hand auf Papier oder geben Sie Ihre Texte sofort in den Computer ein?

Dieter Wellershoff: Seit ich einen Computer habe - seit ungefähr zehn Jahren- schreibe ich mit dem Computer. Es ist eine ungeheure Verbesserung der Situation. Nämlich dass man sofort an einem Satz arbeiten kann. Lange Zeit hat meine Frau meine Texte abgeschrieben und dann habe ich die wieder korrigiert. Ein unglaublich mühsamer Prozess. Und ein heroischer Prozess für Schriftstellergattinnen. Man ist nicht zu sehr geneigt zu früh aufzugeben bei der Gestaltung des Textes, wenn man einen Computer hat. Man kann es anders machen- sofort. Es ist selten, dass man gleich bis in alle Nuancen den richtigen Text findet.

TextArt: Darf Ihre Frau Ihre Texte zuerst lesen oder der Lektor?

Dieter Wellershoff: Schon eher meine Frau, aber ich bin der Meinung, man soll möglichst lange mit seinem Text allein sein.

TextArt: Auch schon im Vorfeld? Wenn eine Idee im Kopf entstanden ist, erzählen sie schon von dieser Idee?

Dieter Wellershoff: Das ist gefährlich von der Idee zu erzählen. Man kann es nicht ganz vermeiden, aber wenn man wirklich alles ausplaudert nimmt man etwas weg. Man hat dann das Gefühl, es wäre schon da. Man ist gierig auf das Echo -ein bestätigendes Echo- damit man der Strapaze des Schreibens gewachsen ist. Das ist ein Zeichen von mangelnder Risikobereitschaft. Man will gestützt und gefördert werden. Dann mischen sich zu früh fremde Urteile ein.

TextArt: Also ist es wichtig, die Schreibidee erst mal zu schützen?

Dieter Wellershoff: Man muss mit dem Text alleine bleiben. Und es gibt die allermarkanteste und urtümlichste Situation des Alleineseins mit dem Text, wenn man nachts aufwacht und denkt: "Moment, ich muss noch was schreiben." Das ist mir sehr oft passiert.

TextArt: Haben Sie einen bestimmten Schreibrhythmus? Gibt es bei Ihnen so eine Art Schreibtagesstruktur?

Dieter Wellershoff: Das ist unterschiedlich, aber wenn ich ganz drin bin in meiner Arbeit, dann schreib ich so lang, wie es eben geht. Und lasse auch nichts anderes an mich heran. Ich lese dann keine fremden Bücher. Ich fahre dann lieber mit dem Fahrrad und beim Fahrrad fahren fällt mir immer was ein.

TextArt: Sie haben sehr viele Romane, Erzählungen, Aufsätze geschrieben. Haben Sie Bücher, die Ihnen besonders wichtig sind?

Dieter Wellershoff: Immer das, was ich gerade schreibe, ist natürlich das wichtigste. Klar! Es ist das, worin ich ganz aufgehe, woran ich immer denke und arbeite. Aber wenn man so viel geschrieben hat, wie ich das inzwischen getan habe, dann steht das Ganze auch in einer Reihe. Dann entsteht sozusagen ein Gesamtzusammenhang von Lebensthematik. Deshalb kann man auch nicht alles beliebige schreiben. Es muss ein Aha- Erlebnis geben, einen Impuls. Das kann ich eigentlich von jedem Buch erzählen, dass irgendwelche Phantasiebilder mich berühren. Ich denke nicht: "Worüber sollte ich jetzt mal einen Roman schreiben?" Jede Äußerung, die man über eine Gestalt oder eine Situation macht, schafft eine Voraussetzung für die nächste Äußerung. Indem sie bestimmte Möglichkeiten ausschließt, andere öffnet. Es sind unendliche Alternativen da. Wenn man das Leben schildert, dann schildert man eine Situation, die nicht fertig ist.

Wenn man eine Erfahrung schildert, schildert man einen Prozess, wo Möglichkeiten eröffnet, wo Möglichkeiten erledigt werden. So entsteht eine richtige Verbindlichkeit. Das heißt der Text arbeitet selber mit. Je mehr er an Gehalt, an Form, an Vorauswissen gewonnen hat, umso mehr führt er einen auch.

TextArt: In ihren Romanen stecken oft Menschen in einer größeren Krise. Ist das wichtig, dass sie damals auch Psychologie studiert haben?

Dieter Wellershoff: Ich habe mich sehr für Psychologie interessiert, aber auch für Philosophie. Das ist kein Bildungswissen. Für mich ist Krise eigentlich der normale Zustand des Menschen. Irgend etwas tritt an einen heran, was bisher nicht so war und nötigt einen, darauf zu antworten. Krise ist sozusagen das Grundmuster der Literatur für mich, weil der Mensch eine nicht festgeschriebene Existenz hat oder beziehungsweise nur zum Teil eine festgeschriebene Existenz. Dann ist immer irgendwas in ihm, was dagegen angeht. Das heißt, es gibt immer irgendeinen traumatischen komplexen Moment, den ich mir klarmachen will, wenn ich schreibe. Das Schreiben ist ein dynamischer evolutionärer Prozess, der in einem Menschen stattfindet. Wobei jeder Schriftsteller gewissermaßen einen ungeschriebenen Rahmen hat. Das heißt, man schreibt nicht über alles. Grundvoraussetzung des Interesses trägt man in seiner eigenen Person. Die Grundproblematik der Literatur in meinem Verständnis ist: problematisches Individuum in komplexer Welt. Das heißt, sie ist nicht berechenbar. Widerständig, enttäuschend, lockend, herausfordernd. Und dem begegnet ein Mensch, der überhaupt erst er selbst werden will. Mit all den Irrtumsmöglichkeiten. Neu wird die Welt erst, wenn man im Zustand des Befremdens ist. Nicht im Zustand des Bescheidwissens.

Im Zustand des Bescheidwissens indem man sich befindet, macht man keine neuen Erfahrungen, weil das Bescheidwissen wie ein Stempel ist, der auf allen Dingen drauf ist.

TextArt: Herr Wellershoff, Sie waren lange Jahre auch Lektor bei Kiepenheuer & Witsch und haben unter anderem auch mit Heinrich Böll zusammengearbeitet. War das so eine reine Arbeitsbeziehung oder waren Sie auch privat befreundet?

Dieter Wellershoff:

Na, befreundet will ich das nicht nennen. Wir waren sehr verschiedene Menschen.

TextArt: Wie war das für Sie, zuerst in der Rolle des Lektors und dann hauptsächlich Schriftsteller zu sein?

Dieter Wellershoff: Die Rolle des Lektors habe ich nur als einen Notberuf empfunden. Ich wollte immer Schriftsteller werden, aber hatte nicht die Möglichkeit, das zu entwickeln. Weil ich eine Familie mit drei Kindern und meine Frau ihre Arbeit verloren hatte und ich vom Schreiben meine Familie ernähren musste. Da habe ich für den Rundfunk Sendungen und Hörspiele geschrieben. Das war nicht die Situation, in der ich in Ruhe mein literarisches Werk entwickeln konnte. Zumal ich als erstes Buch ein Buch über Gottfried Benn geschrieben habe. Das hat mir Schulden eingebracht, weil ich in der Zeit nicht verdienen konnte. Es war eine schwierige Lebenssituation, in der ich das Angebot bekam, da dieses Buch gute Kritiken bekommen hatte, Lektor zu werden. Jedenfalls war es ein Beruf, den ich immer nur als ein notwendiges Zwischenstadium verstanden habe. Ich habe ihn schon Mitte der 60er Jahre nach ein paar Jahren soweit zurückgeschraubt, dass ich drei Tage in der Woche den Beruf ausgeübt und die übrigen Tage geschrieben habe. Es war ein unglaublich schwieriger Übergang sich immer mit fremden Texten zu beschäftigen und dann wieder mit den eigenen. Und in der Öffentlichkeit immer in der Rolle des Lektors aufzutreten. Eigentlich gar nicht zu schaffen. Aber ich hab es geschafft.

TextArt: Können Sie sich an das Gefühl erinnern, als Ihr erstes Buch erschienen ist? Als Sie Ihr eigenes Werk in der Buchhandlung gesehen haben?

Dieter Wellershoff: Das ist genau dasselbe Gefühl, wie ich es jetzt noch habe.

TextArt: Und wie ist es jetzt?

Dieter Wellershoff: Es ist nicht mehr eine ganz ungewohnte Situation. Ich habe ja ungefähr 35 Bücher geschrieben, wenn man alle zusammen zählt. Das ist ein Stück Existenzbeweis. Aha, ich bin da gewesen. Ich habe das gemacht.

TextArt: Sie sagten vorhin mal, wenn Sie im Schreibprozess sind, dann lesen Sie keine anderen Bücher. Wie ist das sonst?

Dieter Wellershoff: Ich bin immer ein großer Leser gewesen. Aber es gibt natürlich viel, was ich gleich wieder weglegen würde. Ich denke dann : Nein, das bringt mich nicht weiter.

TextArt: Haben Sie bestimmte Vorlieben?

Dieter Wellershoff: Ich hab jetzt im Urlaub mal wieder einen Faulkner gelesen, der irgendwann mal für mich ein absoluter Stern an meinem Himmel war.

TextArt: Sie gehörten der Gruppe 47 an. Wie war das damals?

Dieter Wellershoff: Damals gab es ja noch keine richtige literarische Öffentlichkeit.

Dann hat sich ein kleiner Freundeskreis entwickelt von Leuten die schreiben wollten und geschrieben haben. Das wurde eine Institution. Immer neue Leute wurden dazu eingeladen, wenn einer von den Leuten, die schon zu dem inneren Kreis gehörten, wieder jemanden kennen gelernt hatte. Das waren die Anfänge. Die habe ich in dieser Weise nicht mehr mitbekommen. Ich bin erst 1960 dazu gestoßen. Ich hatte unter anderem durch Hörspiele auf mich aufmerksam gemacht und wurde eingeladen. Von da an bin ich immer mal wieder hingefahren. Aber dann habe ich erlebt, dass die Gruppe immer mehr zu einem Marktplatz wurde, wo alles, was geschrieben zugleich beurteilt wurde. Dadurch verzerrte sich das mehr und mehr zu einer Arena, in der jeder um seine Existenz kämpfte. Das war problematisch. Da bestand die Gefahr, dass man mit dem Blick auf diese Öffentlichkeitssituation zu schreiben begann. Und das war problematisch. Ich bin dann nicht mehr hingegangen. Das entsprach nicht meiner Vorstellung von mir.

TextArt: Sie sind sie auch Mitbegründer der Kölner Schule. Können Sie etwas über diese Zeit erzählen?

Dieter Wellershoff: Ich habe ja verschiedene Dinge gemacht im Verlag. Zuerst habe ich eine wissenschaftliche Abteilung aufgebaut, dann wurden Vorgänger entlassen und ich bekam auch die Abteilung Deutsche Literatur. Ich bin überhäuft worden mit Arbeit in den ersten Jahren. Da war auch kein Gedanke noch selbst was zu schreiben. Dann hab ich mir gesagt, das mach ich wenigstens so, dass es mir Spaß macht. Junge Autoren, die erst anfangen, die mir noch verwandt sind. Da kann man nicht dauernd erwarten, dass man vollendete Manuskripte bekommt. Ich habe sehr viel mit den Autoren am Text gearbeitet und zum Teil so, dass ich gebeten habe: "Lies mir das mal vor." Dann haben wir uns das gemeinsam angehört, und wir sind dann ins Gespräch gekommen über die Einzelheiten, die da noch in der Luft hingen oder totes Material waren. Da habe ich natürlich sehr viele Dinge sozusagen am fremden Beispiel erlebt, was für mich auch wichtig war. Ein tieferes Verständnis für Schreibprozesse, vor allem kritische Wahrnehmung auf den Text. Es war aber trotzdem natürlich in einem inneren Widerspruch zu der Tatsache, dass ich selber schreiben wollte und ich glaub, es war für die Autoren auch ein schwieriger Prozess zu akzeptieren, dass ich mehr und mehr dazu überging, selber zu schreiben.

TextArt: Sie sagten eben, dass sie eigentlich immer selber schreiben wollten. War das schon als Kind, dass Sie den Wunsch hatten Schriftsteller zu werden oder kam das erst später?

Dieter Wellershoff: Damals habe ich als Schüler zwei Theaterstücke geschrieben, als ich angefangen hatte, die Klassiker zu lesen.

TextArt: Gibt es die noch? Haben Sie noch die Theaterstücke?

Dieter Wellershoff: Nein, das hab ich alles verbrannt, weil ich das Gefühl hatte: Das bin ich noch nicht. Das sind erste Versuche. Ich hatte das Glück, dass das Angebot eines Verlages meine erste Prosa zu veröffentlichen an der Krise dieses kleinen Verlages nach dem Krieg gescheitert ist. Beziehungsweise der Verlag musste einen Rückzieher machen, weil er kein Geld hatte. Darüber bin ich heute froh. Es wäre mir unangenehm, wenn das gedruckt vorliegen würde, was ich damals geschrieben habe.

TextArt: Sie haben sehr viele Auszeichnungen und Preise bekommen. Haben die für Sie eine große Bedeutung?

Dieter Wellershoff: Sie sind natürlich eine Anerkennung. Das ist klar. Vor allen Dingen ist mir aber wichtig, dass sie ein Instrument sind, Leute auf meine Bücher aufmerksam zu machen. Das ist mir daran wichtig. Es ist für die Existenz, die reale Existenz, soziale Existenz eines Schriftstellers wichtig, dass er bemerkt worden ist. Und das Leute auf ihn aufmerksam gemacht haben. Durch eine Preisverleihung oder Kritiken, die geschrieben wurden oder Doktorarbeiten oder Interviews.

TextArt: Es sind auch Romane von Ihnen, wie zum Beispiel "Der Liebeswunsch", verfilmt worden. Wie ist das für Sie?

Dieter Wellershoff: Der Film hat eine große Rolle gespielt. Ich schreibe auch sehr optisch. Vor allen Dingen habe ich an der Filmdramaturgie auch meine Schreibdramaturgie weiterentwickelt. Das war schon eine typische Perspektive des Sehens. Insofern ist die Übersetzung eines Prosatextes in eine filmische Darstellung eine wirkliche kreative Weiterbehandlung, die auch für mich interessant ist. Aber ich hatte keinen guten Verleih. Der Film ist in einer Zeit rausgekommen, wo viel anderes los war. Der Film war eigentlich psychologisch hervorragend. Auch in der Leistung der Darsteller und der Kameraleute, aber er ist kein Erfolg geworden. Weil einfach auch viel zu wenig Reklame gemacht wurde.

TextArt: Ich stelle mir das sehr schwierig vor, wenn man ein ganz besonderes Bild von seinen Romanfiguren hat und das Bild dann im Film abweicht.

Dieter Wellershoff: Man muss natürlich Distanz haben. Es sind lebendige Menschen. Die vier Darsteller sind hervorragend und die Kamera ist hervorragend. Aber es sind natürlich auch Änderungen drin. Die können das nicht in der ganzen Breite aller Nuancen erzählen..

TextArt: Wie sieht es bei Ihnen mit Schreibblockaden aus? Haben Sie Zeiten, in denen Sie gar nicht schreiben können? Oder ist Ihnen das vollkommen fremd?

Dieter Wellershoff: Es gibt natürlich Schwankungen. Wichtig ist, dass man am Kern seiner Interessen ist. Es gibt auch Dinge, die falsch gelaufen sind. Den Roman, den ich jetzt veröffentlicht habe, habe ich zehn Jahre vorher schon angefangen und dann wieder weggelegt. Nicht, weil mir nichts mehr eingefallen wäre, aber weil ich das Gefühl hatte, das ist eigentlich nicht das, was ich will. Ich konnte aber noch nicht sagen, was ich will. Ich wusste auch noch nicht, worauf das hinausläuft. Alles war mir unklar. Und irgendwann -zehn Jahre später- ist es wunderbar gelaufen, fast wie ein naturwüchsiger Prozess.

TextArt: Sie haben den Roman ja auch relativ schnell geschrieben. Wie ist das, wenn Sie in einem Schreibprozess sind? Brechen Sie dann den Kontakt zur Außenwelt komplett ab? Stellen Sie das Telefon aus?

Dieter Wellershoff: Nein, so was nicht. Aber ich vermindere meine Kontakte zur Außenwelt. Von mir aus suche ich das nicht. Ich gehe natürlich spazieren, treffe Leute und unterhalte mich ein bisschen mit Ihnen. Das mache ich. Aber meine Frau muss dann schon mal alleine ins Kino oder ins Theater gehen. Da kann ich dann nicht mitgehen.

TextArt: Schreiben Sie dann den ganzen Tag durch?

Dieter Wellershoff: Bevor ich schreibe, habe ich manchmal die Tageszeitung gelesen. Auch aus dem Gefühl heraus: "Um Gottes Willen, jetzt geht das wieder los, diese ungeheure Anstrengung. Ich fühle mich dem noch nicht gewachsen." Also auch ein Ausweichen. Das gibt es auch.

TextArt: Sind Sie in der Zeit denn dann noch ansprechbar für Ihre Frau? Ich kenn das von anderen Autoren, die dann kaum noch ansprechbar sind oder abwesend am Mittagstisch sitzen. Kennen Sie so was auch?

Dieter Wellershoff: Das gibt es auch. Aber meine Frau ist eine erfahrene Schriftstellerfrau. Und der Kontakt reißt nicht ganz ab. Nur wir sprechen nicht über das Buch.

TextArt: Wenn es fertig ist, ist sie aber die erste, die es lesen darf?

Dieter Wellershoff: Ja, aber ich finde dann bald noch andere Interessenten. Der Lektor. Und auch mein Verleger ist neugierig. Ich halte das dann noch eine zeitlang zurück, aber irgendwann gebe ich dieser fremden Neugier nach.

Aktuell:

Dieter Wellershoff, Der Himmel ist kein Ort, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009, 299 Seiten, 19,95 Euro